Im Gegensatz zu klassischen Cannabisblüten wird der Cannabis Extrakt als konzentriertes Pflanzenprodukt bezeichnet, das Cannabinoide, Terpene und weitere Inhaltsstoffe enthält und sich erst im Zusammenspiel mit Herstellungsverfahren, Qualität und Anwendung vollständig einordnen lässt. Cannabisextrakte haben sich von einem Nischenprodukt zu einem festen Bestandteil – insbesondere medizinischer – Cannabisnutzung entwickelt.
Das Wichtigste in Kürze
- Cannabisextrakte sind konzentrierte Produkte aus Cannabis.
- Sie enthalten Cannabinoide, Terpene und weitere Inhaltsstoffe.
- Herstellung erfolgt z. B. über CO₂, Ethanol oder Druck (Presse).
- Anwendung ist oral, sublingual oder seltener inhalativ möglich.
- Im Gegensatz zur medizinischen Anwendung von Cannabis-Blüten wirken Extrakte leicht verzögert, dafür hält die Wirkung deutlich länger an.
- Medizinische Nutzung erfolgt in Deutschland per ärztlichem Rezept.
Cannabis Extrakt, was ist das?
Definition und Abgrenzung zu Cannabisblüten und Konzentraten
Cannabisextrakte entstehen durch die gezielte Isolierung und Konzentration pflanzlicher Inhaltsstoffe und unterscheiden sich dadurch deutlich von unverarbeiteten Blüten. Medizinische Varianten unterliegen klaren Qualitätsstandards und sind reproduzierbar, während Freizeitkonzentrate häufig weniger einheitlich sind. Die kontrollierbare Dosierung und konstante Zusammensetzung sind entscheidende Eigenschaften im medizinischen Einsatz.
Welche Inhaltsstoffe enthält ein Cannabis Extrakt?
Die wesentlichen Inhaltsstoffe eines Cannabisextrakts sind THC und CBD, die mit dem Endocannabinoid-System des Körpers interagieren und unterschiedliche nachgesagte Effekte entfalten können.1 Terpene ergänzen dieses Profil, indem sie sowohl das Aroma bestimmen als auch das Zusammenspiel der Inhaltsstoffe beeinflussen.2

Wie funktioniert die Cannabis-Extraktion?
Das Ziel der Extraktion ist, bestimmte Inhaltsstoffe zu konzentrieren und dafür andere Bestandteile zu reduzieren. Unterschiedliche Verfahren setzen dabei gezielt auf Druck, Temperatur oder Lösungsmittel, um bestimmte Stoffgruppen aus der Pflanze zu isolieren.
Grundprinzipien und Arten der Cannabis-Extraktion
Die Extraktionsverfahren lassen sich grundsätzlich in lösungsmittelbasierte und lösungsmittelfreie Methoden unterteilen. Beide Ansätze verfolgen das Ziel, Cannabinoide und Terpene aus der Pflanze zu lösen, unterscheiden sich jedoch deutlich in Technik, Ausbeute und Reinheit.
Lösungsmittelbasierte Verfahren
- CO₂: Überkritisches Kohlendioxid (ab ca. 31 °C und 74 bar) wird als Lösungsmittel eingesetzt. In der Praxis liegen die Parameter meist bei 250–320 bar, wodurch Extraktionsausbeuten von etwa 7–26 % erreicht werden. Das Verfahren gilt als besonders präzise und wird häufig im medizinischen Kontext eingesetzt.
- Ethanol: Alkohol extrahiert Cannabinoide und Terpene sehr effizient. Unter optimierten Bedingungen (z. B. Verhältnis 1:15, ~10 min) sind Extraktionseffizienzen von bis zu 97–102 % möglich, wobei je nach Temperatur ein Verlust von Terpenen auftreten kann.
- BHO: Butan löst vor allem cannabinoidreiche Harze und ermöglicht sehr potente Extrakte. Gleichzeitig erfordert das Verfahren strenge Sicherheitsmaßnahmen, da Butan hochentzündlich ist.
Lösungsmittelfreie Verfahren
- Rosin: Mechanische Extraktion durch Hitze und Druck (typisch 80–120 °C). Es werden keine Lösungsmittel verwendet, wodurch ein besonders reines Produkt entsteht, allerdings mit geringerer Ausbeute.
- Live Rosin: Variante des Rosin-Verfahrens mit frischem Pflanzenmaterial, wodurch ein höherer Anteil an Terpenen erhalten bleibt.
- Ice Water Hash / Dry Sift: Mechanische Trennung der Harzdrüsen durch Wasser oder Siebung – ebenfalls lösungsmittelfrei und schonend, jedoch weniger effizient.
- Live Resin: Wird aus frischem Pflanzenmaterial gewonnen, meist mit Lösungsmittel. Ziel ist ein besonders terpenerhaltendes Profil.
Vergleich der Extraktionsmethoden3
| Methode | Typ | Lösungsmittel | Typische Parameter | Ausbeute | Terpen-Erhalt | Reinheit | Sicherheit | Besonderheiten |
| CO₂ | lösungsmittelbasiert | CO₂ | >31 °C, 74–320 bar | 7–26 % | mittel | hoch | hoch | sehr präzise, medizinischer Standard |
| Ethanol | lösungsmittelbasiert | Ethanol | z. B. 1:15, ~10 min | bis 97–102 % | gering–mittel | mittel | mittel | sehr effizient, weniger selektiv |
| BHO | lösungsmittelbasiert | Butan | niedrige Temp., Druck variabel | hoch | hoch | hoch | gering | sehr potent, Sicherheitsrisiko |
| Rosin | lösungsmittelfrei | – | 80–120 °C, Druck | gering–mittel | sehr hoch | hoch | hoch | keine Lösungsmittel, sauberes Produkt |
| Live Rosin | lösungsmittelfrei | – | wie Rosin + frisches Material | gering | sehr hoch | hoch | hoch | besonders terpenerhaltend |
| Ice Hash | lösungsmittelfrei | Wasser | kaltes Wasser + Siebung | gering | hoch | mittel | hoch | mechanische Trennung |
| Dry Sift | lösungsmittelfrei | – | mechanische Siebung | gering | mittel | mittel | hoch | einfaches Verfahren |
| Live Resin | lösungsmittelbasiert | meist Butan | frisches Pflanzenmaterial | mittel–hoch | sehr hoch | hoch | mittel | stark terpenerhaltend |
Welche Produkte entstehen aus Cannabisextrakten? Extraktformen im Überblick
Cannabisextrakte liegen in unterschiedlichen Formen vor:
- Ölextrakte (medizinisch häufig)
- Destillate (hochgereinigt)
- Isolate (z. B. reines CBD)
- Wax und Shatter
- Live Rosin und Live Resin
Wichtig: Ölextrakte wie das Vollspektrumextrakt KHIRIOX 12/14 enthalten definierte THC- und CBD-Gehalte und werden im medizinischen Kontext eingesetzt. Medizinische Extrakte sind standardisiert, laborgeprüft und verschreibungspflichtig. Konzentrate hingegen sind weniger reguliert und variieren stärker in Zusammensetzung und Qualität.
Einfluss der Cannabissorten auf Extrakte
Indica, Sativa und Hybrid
Die Einteilung in Indica, Sativa und Hybrid beschreibt ursprünglich botanische Unterschiede der Cannabispflanze. In der aktuellen Forschung gilt diese Klassifikation jedoch nur noch eingeschränkt als aussagekräftig für die tatsächlichen Eigenschaften eines Cannabisextrakts. Entscheidend ist heute vor allem das chemische Profil (Chemovar), also das Verhältnis von Cannabinoiden (z. B. THC, CBD) und Terpenen. Studien zeigen, dass traditionelle Kategorien wie Indica oder Sativa die tatsächliche Zusammensetzung nur begrenzt vorhersagen können, während das Inhaltsstoffprofil eine deutlich präzisere Einordnung ermöglicht.4
Sorten wie Kush, Haze und ihre Bedeutung
Sorten wie Kush oder Haze dienen primär als Orientierung für genetische Herkunft und typische Terpenprofile.
- Kush-dominante Sorten werden häufig mit erdigen, myrcenreichen Profilen in Verbindung gebracht.
- Haze-Varianten weisen oft ein stärker limonen- oder terpinolenbetontes Profil auf.
Diese Unterschiede beeinflussen das Aroma und stehen im Zusammenhang mit den nachgesagten Effekten, insbesondere durch das Zusammenspiel von Terpenen und Cannabinoiden.
Beispiel KHIRIOX 12/14
Der medizinische Cannabis Extrakt KHIRIOX 12/14 von KHIRON basiert auf Hybrid-Genetik und kombiniert Eigenschaften verschiedener Sorten. Er enthält etwa 12 mg/ml THC und 14 mg/ml CBD, wodurch ein ausgewogenes Cannabinoidprofil entsteht. Solche balancierten Extrakte werden häufig eingesetzt, wenn sowohl THC- als auch CBD-Anteile relevant sind, da sie unterschiedliche Effekte kombinieren können.
Medizinische Nutzung im Kontext von Sorten
Cannabisextrakte werden im medizinischen Bereich unter anderem bei folgenden Indikationen eingesetzt:
- Chronischen Schmerzen
- Schlafstörungen
- Stressassoziierten Beschwerden
Durch das verzögerte Einsetzen der Wirkung bei gleichzeitig längerer Wirkdauer als bei Anwendung der Blüten, eignen sie sich insbesondere für eine kontinuierliche Symptomkontrolle und werden daher häufig im Kontext chronischer Beschwerden verschrieben.
Eine systematische Übersichtsarbeit (JAMA) zeigt eine moderate Evidenz für den Einsatz von Cannabinoiden bei chronischen Schmerzen, während für andere Anwendungsbereiche die Datenlage begrenzter ist.5
Bei Endometriose wird Cannabisextrakt aktuell zunehmend diskutiert und rückt stärker in den Fokus möglicher ergänzender Behandlungsansätze. Im Interview mit Janosch Kratz, welches KHIRON für Flowzz geführt hat, wird insbesondere eine prospektive Beobachtungsstudie über drei Monate hervorgehoben, in der Patientinnen mit therapieresistenten Beschwerden mit dem Cannabis Extrakt KHIRIOX 12/14 von KHIRON behandelt wurden. Dabei berichteten viele Teilnehmerinnen über Verbesserungen bei Schmerzintensität, Schlafqualität und allgemeinem Wohlbefinden.
Wichtig: Die Auswahl eines Cannabisextrakts erfolgt in der Praxis nicht primär nach Sortennamen, sondern nach Cannabinoidverhältnis, Terpenprofil und individueller Indikation. Die nachgesagten Effekte hängen von THC-, CBD-Gehalt und Terpenprofil ab und können individuell variieren.
Cannabis Extrakt Anwendung und Einnahmeformen
Cannabispatienten wenden Cannabisextrakte entweder oral, sublingual oder – in selteneren Fällen – inhalativ mit passendem Equipment, an. Für die orale Einnahme greifen sie auf Tropfen, Öle oder Kapseln zurück, was für viele Patienten eine vertraute und niedrigschwellige Form der Anwendung darstellt, da sie klassischen Arzneimitteln ähnelt und als gut dosierbar sowie berechenbar wahrgenommen wird. Bei der sublingualen Anwendung platzieren sie den Extrakt unter der Zunge, wodurch der Körper die Inhaltsstoffe schneller aufnimmt. Für die inhalative Nutzung verwenden sie Vaporizer, Wax Pens oder nutzen Vape-Systeme, wobei Letztere eher im Endverbraucher- bzw. Freizeitkonsumsegment etabliert sind.
Dosierung von Cannabis Extrakt
Die – insbesondere medizinische – Dosierung erfolgt individuell nach dem Prinzip6:
„Start low, go slow.“
Das bedeutet:
- Niedrige Anfangsdosis
- Langsame Steigerung
- Anpassung an Verträglichkeit
Extrakte sind konzentrierter und standardisierter, während Blüten naturbelassen sind.
Qualität und Laborprüfung von Cannabisextrakten
Die Qualität eines Cannabisextrakts hängt von mehreren klar definierten Faktoren ab. Hersteller wie KHIRON analysieren und standardisieren diese Merkmale, um eine gleichbleibende Zusammensetzung sicherzustellen. Dazu zählen insbesondere der definierte THC- und CBD-Gehalt, das Terpenprofil sowie die Reinheit des Produkts. Ergänzend prüfen unabhängige Labore die Extrakte, um Rückstände, Verunreinigungen und die tatsächliche Zusammensetzung zu bestätigen.
Wichtige Faktoren:
- Definierter THC-/CBD-Gehalt
- Terpenprofil
- Reinheit
- Laboranalysen
Verfügbarkeit, Verschreibung und Preis von Cannabisextrakten
In Deutschland sind Cannabisextrakte überwiegend im medizinischen Bereich verfügbar und werden nach ärztlicher Verordnung über Apotheken abgegeben. Voraussetzung ist ein gültiges Rezept, das im Rahmen einer individuellen Therapie ausgestellt wird. Die Kosten unterscheiden sich je nach Zusammensetzung, Wirkstoffgehalt und Herstellungsverfahren deutlich. Einen Überblick über aktuelle Preiseund verfügbare Cannabisextrakte für Endverbraucher bieten Online-Plattformen und -Apotheken.
Seit April 2024 gilt in Deutschland außerdem das Cannabisgesetz (CanG):
- Besitz bestimmter Mengen für Eigenbedarf erlaubt
- Cannabis nicht mehr als BtM eingestuft
- Medizinisches Cannabis unterliegt dem MedCanG
Medizinische Cannabisextrakte bleiben verschreibungspflichtig, sind aber leichter zugänglich. Wie man ein Rezept für Cannabisextrakte erhält, erklärt diese Anleitung auf zwei Wegen – sowohl über den Haus- oder Facharzt als auch über telemedizinische Anbieter.
Fazit
Cannabisextrakte stehen für eine andere Form der Nutzung als klassische Blüten: stärker standardisiert, präziser dosierbar und technisch verarbeitet. Beide Formen haben ihre Berechtigung und unterscheiden sich vor allem in Aufbau und Anwendung sowie im Einsetzen und in der Dauer der Wirkung.
Extrakte wirken in der Regel verzögert (ca. 1–3 Stunden), dafür aber länger anhaltend (ca. 6–8 Stunden), während Blüten schneller wirken (ca. 5–10 Minuten), jedoch kürzer (ca. 2–4 Stunden).
Ausschlaggebend ist daher nicht, was „besser“ ist, sondern welches Produkt zum jeweiligen Zweck passt.
Wer die Unterschiede in Inhaltsstoffen, Herstellung und Anwendung versteht, kann Cannabisextrakte gezielt einordnen und bewusster nutzen.
FAQ: Häufige Fragen zu Cannabis Extrakt
Ein Cannabisextrakt ist ein konzentriertes Produkt, das aus der Pflanze Cannabis gewonnen wird. Während Cannabisblüten in ihrer natürlichen Form verwendet werden, wird ein Cannabisextrakt technisch hergestellt, um Inhaltsstoffe gezielt zu isolieren.
Cannabisextrakte unterscheiden sich in ihrer Zusammensetzung. THC-dominante Extrakte enthalten überwiegend THC, CBD-dominante entsprechend mehr CBD. Ausbalancierte Extrakte kombinieren beide Wirkstoffe in einem ähnlichen Verhältnis.
Ein Cannabisextrakt wird häufig im Zusammenhang mit bestimmten Effekten diskutiert, die von den enthaltenen Cannabinoiden wie THC und CBD abhängen. Die nachgesagte Wirkung kann je nach Zusammensetzung unterschiedlich sein, insbesondere abhängig davon, ob der Extrakt THC-dominant, CBD-dominant oder ausbalanciert ist. Dabei wird betont, dass die Wirkung individuell variieren kann und im medizinischen Kontext stets ärztlich begleitet werden sollte.
Cannabisextrakte basieren häufig auf bestimmten Cannabissorten wie Sativa, Indica, Hybrid oder bekannten Varianten wie Kush und Haze. Diese Sorten unterscheiden sich in ihrem Profil an Inhaltsstoffen. Ein Hybrid kann sowohl Eigenschaften von Indica, Sativa als auch anderen Strains aufweisen, während bestimmte Extrakte als dominant in Bezug auf THC oder CBD beschrieben werden. Auch die Sorte Kush oder Haze kann Einfluss auf die Zusammensetzung eines Cannabisextrakt haben.
THC-Extrakte sind in Deutschland im medizinischen Kontext verfügbar, in der Regel jedoch nur mit einem entsprechenden ärztlichen Rezept. Cannabisextrakte sind nicht immer direkt vorrätig in Apotheken, können jedoch üblicherweise kurzfristig bestellt werden und sind meist innerhalb von etwa 24 Stunden verfügbar, vergleichbar mit anderen verschreibungspflichtigen Medikamenten.
- Pertwee, R. G. (2008): The diverse CB1 and CB2 receptor pharmacology of cannabinoids und Lu, H. C., Mackie, K. (2016): An Introduction to the Endogenous Cannabinoid System ↩︎
- Russo, E. B. (2011): Taming THC The potential cannabis synergy and phytocannabinoid terpene entourage effects ↩︎
- Citti, C. et al. (2018): Cannabis extraction and purification methods und Rovetto, L. J., Aieta, N. V. (2017): Supercritical carbon dioxide extraction of cannabinoids und Hazekamp, A. et al. (2010):
Cannabis oil chemical evaluation ↩︎ - Schwabe, A. L., McGlaughlin, M. E. (2019): Genetic tools weed out misconceptions of cannabis classification ↩︎
- Whiting, P. F. et al. (JAMA, 2015): Cannabinoids for Medical Use A Systematic Review ↩︎
- Häuser, W. et al. (2018): European Pain Federation position paper on cannabis based medicines und MacCallum, C. A., Russo, E. B. (2018): Practical considerations in medical cannabis dosing ↩︎