Farnesen ist eines der weniger bekannten Cannabis-Terpene, taucht aber immer wieder in Analysen von Sorten, Cannabissamen und Terpenprofilen auf. Obwohl es meist nur in geringen Mengen vorkommt, wird es aufgrund seiner biologischen Eigenschaften sowie seines frischen Dufts zunehmend diskutiert – insbesondere im Zusammenhang mit Wirkung, Entourage-Effekt und medizinischer Forschung.
Dieser Artikel ordnet Farnesen konsequent im Cannabis-Kontext ein: von chemischen Grundlagen über Wirkung und Studienlage bis hin zu Sorten, Geschmack und praktischer Relevanz im Medizinalkontext.
Das Wichtigste in Kürze
- Farnesen ist ein natürlich vorkommendes Sesquiterpen, das auch im Cannabis enthalten sein kann.
- Es zählt zu den seltenen Terpenen und ist meist nur ein sekundärer Bestandteil des Terpenprofils.
- Farnesen wirkt nicht psychoaktiv und beeinflusst den THC-Gehalt nicht direkt.
- Präklinische Studien deuten auf antioxidative, entzündungsmodulierende und neuroprotektive Eigenschaften hin.
- Eine klinisch belegte medizinische Anwendung gibt es bislang nicht.
- Im Cannabis spielt das Terpen vor allem eine modulierende Rolle für Duft, Geschmack und das Gesamtprofil von Sorten.
Definition
Farnesen (englisch: farnesene) ist ein natürlich vorkommendes Sesquiterpen mit der Summenformel C₁₅H₂₄. Chemisch handelt es sich um einen ungesättigten Kohlenwasserstoff, der in mehreren Isomeren vorkommt. Die biologisch relevanteste Form ist α-Farnesen (Alpha-Farnesene, CAS-Nr. 502-61-4).1
Farnesen kommt in zahlreichen Pflanzen vor, unter anderem in Äpfeln, Zitrusfrüchten, Ingwer und Hopfen.2 Auch im Cannabis ist es nachweisbar, zählt dort jedoch zu den seltenen Terpenen und tritt meist nur als sekundärer Bestandteil des Terpenprofils auf. Im Vergleich zu häufigeren Cannabis-Terpenen wie Myrcen, Limonen, Humulen, Terpinolen, Ocimen oder Caryophyllenoxid spielt Farnesen keine dominante Rolle, ist aus wissenschaftlicher und sensorischer Sicht dennoch interessant.3
Farnesen als Cannabis-Terpen
Im Cannabis gehört Farnesen zur Gruppe der Terpene, die Aroma, Duft und möglicherweise die Wirkung einer Sorte mitbestimmen. Es ist nicht psychoaktiv und bindet nicht direkt an Cannabinoid-Rezeptoren wie CB₁ oder CB₂.4 Seine Bedeutung liegt vor allem in der Modulation komplexer Terpenprofile sowie in präklinisch beschriebenen biologischen Eigenschaften. Dadurch wird Farnesen als möglicher Begleitstoff im Entourage-Effekt diskutiert, ohne selbst als Leitterpen zu gelten.5

Welche Wirkung hat Farnesen als Cannabis-Terpen?
Die Wirkung ist im Medizinalcannabis-Kontext bislang nicht klinisch belegt, wird jedoch auf Basis präklinischer Forschung untersucht. In Zellmodellen wurden unter anderem folgende Effekte beschrieben6:
- Antioxidative Wirkungen auf Zellebene.
- Potenziell entzündungsmodulierende Eigenschaften.
- Neuroprotektive Effekte in neuronalen Zellmodellen.
- Mögliche Unterstützung des Entourage-Effekts im Zusammenspiel mit Cannabinoiden und anderen Terpenen.
Im Vergleich zu bekannteren Terpenen ist die Farnesen-Wirkung wissenschaftlich deutlich weniger erforscht und vermutlich sekundär. Es gilt daher nicht als Terpen mit eigenständiger therapeutischer Relevanz.
Farnesen und Alzheimer – Was ist studienbasiert?
Neben sensorischen Eigenschaften wird Farnesen auch im medizinischen Kontext diskutiert, insbesondere im Zusammenhang mit neurodegenerativen Erkrankungen. Eine häufig zitierte In-vitro-Studie untersuchte Farnesen in einem zellulären Alzheimer-Modell mit β-Amyloid-belasteten Neuronen. Dabei wurden folgende Effekte beobachtet7:
- Reduktion oxidativen Stresses.
- Verbesserung der Zellviabilität.
- Senkung der Acetylcholinesterase-Aktivität (AChE).
- Verringerung nekrotischen Zelltods.
Wichtig: Diese Ergebnisse stammen ausschließlich aus Zellkulturmodellen. Es existieren keine Tier- oder Humanstudien, die eine Wirksamkeit von Farnesen bei Alzheimer oder anderen neurologischen Erkrankungen belegen. Farnesen ist daher kein Alzheimer-Wirkstoff, sondern ein früher Forschungsansatz.
Wobei hilft es im medizinischen Cannabis-Kontext?
Wie bereits weiter oben im Artikel beschrieben, gibt es aktuell noch keine klinischen Belege, dass Farnesen als einzelnes Terpen bei bestimmten Krankheiten hilft. Die vorhandenen Daten beschränken sich auf präklinische Untersuchungen. Derzeit diskutiert wird Farnesen allerdings vor allem im Zusammenhang mit:
- Neurodegenerativen Prozessen.
- Oxidativem Zellstress.
- Entzündungsassoziierten Signalwegen.
Im Medizinalcannabis-Kontext gilt Farnesen daher als unterstützender Begleitstoff, nicht als primärer Wirkstoff.
Stärkt Farnesen das Immunsystem?
Die Aussage, Farnesen könne das Immunsystem stärken, ist wissenschaftlich ebenfalls nicht belegt. Zwar zeigen Laborstudien, dass Farnesen bestimmte Immunzell-Signalwege beeinflussen kann, daraus lässt sich jedoch keine immunstärkende Wirkung beim Menschen ableiten. Im Zusammenhang mit Cannabis-Terpenen wird Farnesen daher nicht als Immunbooster, sondern höchstens als milder Modulator von Entzündungsprozessen betrachtet.
Farnesen und THC – gibt es einen Zusammenhang?
Das Sesquiterpen wirkt nicht psychoaktiv und beeinflusst den THC-Gehalt von Cannabis nicht direkt. Seine Rolle liegt vielmehr in der Begleitung der THC-Wirkung über das Terpenprofil. Im Rahmen des Entourage-Effekts wird angenommen, dass Terpene wie Farnesen die subjektive Wahrnehmung von THC indirekt modulieren können, etwa über Duft, Aroma und sensorische Eindrücke.
In welchen Cannabis-Sorten kommt Farnesen vor?
Farnesen ist kein dominantes Terpen, tritt aber in bestimmten Cannabis-Sorten als sekundärer Bestandteil des Terpenprofils auf. Besonders häufig wird es in Hybrid-Sorten nachgewiesen, deren Genetik fruchtige oder frische Duftnoten betont, wie beispielsweise in der Craft-Sorte „El Gordo“ (KHIRON ELG 30/1).
In der Züchtung spielt das Sesquiterpen vor allem bei der Auswahl von Cannabissamen eine Rolle, wenn gezielt auf ein komplexes Terpenprofil geachtet wird. Bei der Analyse von Cannabissamen und späteren Blüten wird Farnesen meist gemeinsam mit Terpenen wie Myrcen, Ocimen oder Terpinolen gemessen.8 Einige Hybrid- und Kush-nahe Linien können ebenfalls geringe Mengen Farnesen enthalten, auch wenn es dort nicht zu den Leitterpenen zählt.
Wie riecht Farnesen?
Der Duft wird im Cannabis als frisch, grün und leicht fruchtig beschrieben. Typische Assoziationen sind Apfel, pflanzliche Noten und eine dezente florale Frische. Im Cannabis trägt Farnesen dazu bei, dass Sorten einen klaren, natürlichen Duft entwickeln, ohne schwer, erdig oder würzig zu wirken. Besonders in Kombination mit anderen Terpenen beeinflusst Farnesen den Gesamteindruck des Duftprofils.
Wie ist der Geschmack?
Der Geschmack ist meist subtil und nicht isoliert wahrnehmbar. Er unterstützt frische, grüne und leicht süßliche Aromakomponenten und rundet komplexe Cannabis-Aromen harmonisch ab.
Farnesen im praktischen Cannabis-Kontext
Beim Kauf von Cannabisprodukten oder Cannabissamen lohnt es sich, einen Blick auf das ausgewiesene Terpenprofil zu werfen. In spezialisierten Shops oder Sortenübersichten wird Farnesen gelegentlich als Bestandteil aufgeführt, insbesondere bei fruchtig oder frisch duftenden Sorten.
Viele Anbieter oder spezialisierte Plattformen informieren zudem über neue Sorten, Terpenprofile und Zuchtlinien über einen Newsletter, in dem auch seltenere Terpene wie Farnesen thematisiert werden.
Fazit
Farnesen ist ein seltenes Cannabis-Terpen mit interessanten biologischen Eigenschaften, dessen wissenschaftliche Evidenz jedoch überwiegend präklinisch ist. Zusammengefasst gilt Farnesen als:
- Kein psychoaktiver Stoff.
- Kein Leitterpen.
- Ohne gesicherte medizinische Anwendung.
- Potenziell modulierender Bestandteil des Terpenprofils.
Im Vergleich zu anderen Terpenen ist es wissenschaftlich weniger etabliert, aber als Teil komplexer Terpenmischungen durchaus relevant. Für die medizinische Cannabis-Forschung bleibt Farnesen damit ein interessanter Begleitstoff, nicht jedoch ein therapeutischer Hauptakteur.
FAQ zum Cannabisterpen
Es kommt im Cannabis vor allem in bestimmten Sorten, häufig in Hybrid-Sorten vor. Dort ist es Teil des Terpenprofils und tritt gemeinsam mit anderen Terpenen auf. Auch bei der Auswahl von Samen und Cannabissamen spielt das Terpenprofil eine Rolle, insbesondere bei fruchtig-frischen Sorten oder einzelnen Kush-nahen Linien.
Farnesen wirkt nicht psychoaktiv und beeinflusst THC nicht direkt. Die Wirkung wird im Cannabis vielmehr im Zusammenspiel mit anderen Terpenen betrachtet. Als Terpen kann Farnesen Geschmack, Duft und Aroma einer Sorte begleiten, ohne selbst berauschend zu wirken.
Der Geschmack ist mild und frisch, das Aroma wird oft als leicht fruchtig beschrieben. Der Duft von Farnesen trägt dazu bei, dass Cannabis-Sorten klar und natürlich riechen. Besonders in Hybrid-Sorten ergänzt Farnesen andere Terpene und beeinflusst Geschmack, Duft und Aroma gemeinsam.
Vor dem Kauf von Cannabissamen oder Cannabis-Produkten (im Shop) lohnt sich ein Blick auf die Terpenangaben. Informationen zu neuen Sorten, Samen oder Hybrid-Züchtungen erhalten Interessierte über einen Newsletter oder auf speziellen Online-Portalen wie Flowzz.
- PubChem Compound Summary for Farnesene. National Center for Biotechnology Information. ↩︎
- Langenheim, J. H. (1994). Higher plant terpenoids: A phytocentric overview of their ecological roles. Journal of Chemical Ecology, 20(6), 1223–1280. ↩︎
- Booth, J. K., & Bohlmann, J. (2019). Terpenes in Cannabis sativa – From plant genome to humans. Plant Science, 284, 67–72. ↩︎
- Andre, C. M., Hausman, J.-F., & Guerriero, G. (2016). Cannabis sativa: The plant of the thousand and one molecules. Frontiers in Plant Science, 7, 19. ↩︎
- Russo, E. B. (2011). Taming THC: potential cannabis synergy and phytocannabinoid–terpenoid entourage effects. British Journal of Pharmacology, 163(7), 1344–1364. ↩︎
- European Medicines Agency (EMA). Reflection paper on the use of herbal medicinal products containing terpenes. EMA/HMPC/138386/2010. ↩︎
- Arslan, R. et al. (2020). Neuroprotective effects of farnesene against beta-amyloid-induced toxicity in differentiated SH-SY5Y cells. Journal of Food Biochemistry, 44(8), e13374.
↩︎ - ElSohly, M. A., Slade, D., & Ross, S. A. (2005). Methods for the analysis of terpenes in Cannabis sativa L. Journal of AOAC International, 88(4), 1154–1163. ↩︎