Eigenschaften und Einordnung im Cannabiskontext des Terpens Humulen

Terpen Humulen im Cannabis
Inhaltsverzeichnis

Humulen, auch α-Humulen oder Humulene, ist ein natürlich vorkommendes Terpen. Es prägt das Aroma und Beschaffenheitsprofil vieler Pflanzen, unter anderem Hopfen und viele Cannabissorten. Im Gegensatz zu Cannabinoiden wie THC ist Humulen nicht psychoaktiv. Dennoch wird es wissenschaftlich intensiv untersucht, da es interessante Eigenschaften besitzt und ein gutes Beispiel für die chemische Evolution pflanzlicher Stoffe ist.

Das Wichtigste in Kürze12

  • Es ist ein natürliches Terpen aus der Gruppe der Sesquiterpene.
  • Es kommt unter anderem in Cannabis, Hopfen und Gewürzpflanzen vor.
  • Das Aroma ist erdig, holzig und würzig.
  • Es beeinflusst Geschmack und Geruch von Cannabisprodukten.
  • Humulen kann in Indica, Sativa und Hybrid Sorten vorkommen.
  • Terpenprofile hängen stark von Samen, Genetik und Anbau ab.

Was ist Humulen?

Humulen ist ein Sesquiterpen mit der Summenformel C₁₅H₂₄. Terpene bestehen aus Isopreneinheiten und gehören zu den wichtigsten sekundären Pflanzenstoffe. Ihre Entstehung ist eng mit der biologischen Evolution verbunden. Pflanzen haben Terpene entwickelt, um sich zu schützen, miteinander zu kommunizieren und sich an ihre Umwelt anzupassen.

Als Terpen ist Humulen strukturell eng mit Caryophyllen verwandt. Diese Nähe erklärt, warum beide Stoffe häufig gemeinsam auftreten. Die chemischen Eigenschaften sind gut untersucht, was es für analytische Verfahren und wissenschaftliche Studien besonders relevant macht.3

In welchen Pflanzen kommt Humulen vor?

Humulen ist Bestandteil der ätherischen Öle vieler Pflanzen. Besonders bekannt ist es aus:

  • Cannabis
  • Hopfen (Humulus lupulus)
  • Basilikum
  • Salbei
  • Ginseng

In Cannabis fungiert Humulen ähnlich wie ein Puzzleteil des komplexen Zusammenspiels aus Cannabinoiden wie THC und CBD sowie weiteren Terpenen. Dieses Zusammenspiel ist das Ergebnis natürlicher Evolution und jahrzehntelanger Züchtung über Samen und moderne Genetik.

Aroma und sensorische Eigenschaften

Das Aroma ist gut charakterisiert und wird meist wie folgt beschrieben:

  • Erdig
  • Holzig
  • Würzig
  • Leicht hopfenartig

Die beschriebenen sensorischen Eigenschaften machen Humulen zu einem zentralen Faktor bei der organoleptischen Charakterisierung von Cannabisprodukten, insbesondere im Hinblick auf Geschmacks- und Aromaprofile. Je nach Kombination mit anderen Terpenen kann das Aroma auch kräftig, trocken oder krautig sein.

Welche Wirkung wird Humulen zugeschrieben?

Humulen ist nicht psychoaktiv. Es wirkt also weder berauschend wie THC noch regulierend wie CBD. In der Forschung werden dennoch verschiedene Eigenschaften untersucht, darunter:

  • Entzündungshemmende Effekte
  • Antimikrobielle Effekte
  • Mögliche appetithemmende Effekte

Diese Hinweise stammen überwiegend aus Labor- und Tierstudien. Klinische Studien am Menschen sind bislang begrenzt. Deshalb gilt: Humulen ist ein interessantes Forschungsobjekt, aber kein Wirkstoff mit gesicherter medizinischer Wirkung.4

Zusammenspiel mit THC, CBD und anderen Terpenen

In Cannabis tritt Humulen nahezu nie isoliert auf. Es ist Teil eines komplexen Profils aus THC, CBD und weiteren Terpenen. Dieses Zusammenspiel wird häufig im Zusammenhang mit dem sogenannten Entourage-Effekt diskutiert.5 Auch wenn THC und CBD die Hauptrolle für die psychoaktive und therapeutische Wirkung spielen, beeinflusst ein Terpen wie Humulen maßgeblich das sensorische Erleben. Aroma, Geschmack und Charakter einer Sorte werden dadurch mitgeprägt.

Terpenprofil
Terpenprofil Beispiel von Medizinalcannabis

Humulen in Cannabis-Sorten

Ein Teil der Anwender recherchiert bei medizinischer Verwendung gezielt nach Cannabissorten mit einem erhöhten Humulengehalt. Dabei ist jedoch eine differenzierte Betrachtung erforderlich, da die tatsächliche Ausprägung des Terpenprofils nicht ausschließlich genetisch determiniert ist. Der quantitative Humulengehalt einer Pflanze wird vielmehr durch ein Zusammenspiel mehrerer Faktoren beeinflusst, darunter Genotyp (genetische Ausgangslage), Phänotyp, verwendetes Saatgut (Samen/Seeds), Anbaubedingungen und Anbaumethode, Erntezeitpunkt sowie Nachernteprozesse wie Erntezeitpunkt, Trocknung und Lagerung.6

Grundsätzlich kann Humulen in Indica, Sativa und Hybrid Sorten vorkommen. Besonders häufig wird es bei Sorten mit erdigem Profil erwähnt. Ein bekanntes Beispiel ist Gorilla Glue, das oft mit einem kräftigen, würzigen Aroma in Verbindung gebracht wird. Auch andere Varianten bzw. Züchtungen können Humulen enthalten wie beispielsweise die KHIRON Medizinalcannabis Sorten Wedding Cake, Sour Chocolate Diesel und El Gordo.

Wichtig ist: Selbst identische Seeds können unterschiedliche Terpenprofile hervorbringen. Umweltfaktoren spielen eine große Rolle.

Evolution, Terpene und pflanzliche Anpassung

Aus biologischer Sicht ist Humulen ein gutes Beispiel für die Evolution sekundärer Pflanzenstoffe. Terpene wie Humulen haben sich entwickelt, um Pflanzen widerstandsfähiger zu machen. Sie schützen vor Schädlingen, hemmen Mikroorganismen und beeinflussen ökologische Wechselwirkungen. 

In Cannabis zeigt sich diese Evolution besonders deutlich. Moderne Hybrid-Sorten kombinieren gezielt Eigenschaften aus Indica- und Sativa-Linien. Dabei werden nicht nur THC- oder CBD-Gehalte optimiert, sondern auch Aroma, Terpenprofil und weitere Eigenschaften.7

Wissenschaftliche Einordnung

Humulen ist kein kontrollierter Stoff. Es kommt natürlich in Lebensmitteln und Pflanzen vor. Als Terpen ist es chemisch klar definiert und analytisch gut erfassbar. In der Forschung wird es häufig als Referenzsubstanz verwendet. Aus rechtlicher Sicht ist wichtig: Humulen ist kein Cannabinoid, also weder THC noch CBD, und unterliegt daher nicht dem Betäubungsmittelgesetz. Aussagen zu gesundheitlichen Effekten sollten sich jedoch stets am aktuellen Stand der Wissenschaft orientieren.

Fazit

Humulen ist ein vielseitiges Terpen, das vor allem durch sein erdiges Aroma bekannt ist. Es kommt in Cannabis, Hopfen und vielen weiteren Pflanzen vor und ist ein Produkt der natürlichen Evolution pflanzlicher Stoffe. Obwohl Humulen keine psychoaktive Wirkung hat, trägt es im Cannabis-Kontext zum Charakter von Indica, Sativa und Hybrid Sorten bei. Wer Cannabis also allumfassend verstehen möchte, sollte neben Cannabinoiden auch nach Terpenen recherchieren. Mehr zu dieser Thematik gibt es hier: Farnesen erklärt

FAQ

Was ist Humulen?

Humulen ist ein natürlich vorkommendes Terpen, das beispielsweise in Cannabis, Hopfen und Gewürzpflanzen enthalten ist. Es prägt vor allem das Aroma.

Ist das Terpen Humulen mit Cannabinoiden wie THC oder CBD vergleichbar?

Nein. Humulen ist kein Cannabinoid und daher nicht mit THC oder CBD vergleichbar. Es gehört zur Gruppe der Terpene. Terpene sind nicht psychoaktiv und unterscheiden sich grundlegend von Cannabinoiden.

In welchen Sorten kommt Humulen vor?

Humulen kann in Indica, Sativa und Hybrid Sorten vorkommen. Häufig wird es bei Sorten wie Gorilla Glue oder anderen Glue-Varianten erwähnt, aber nicht ausschließlich.

Hängt das Vorkommen von Samen (Seeds) ab?

Ja. Die genetische Grundlage aus Samen (engl. Seeds, gebräuchlicher im Sprachgebrauch) bestimmt, ob eine Pflanze Humulen bilden kann. Umweltfaktoren beeinflussen das Profil zusätzlich.

Beeinflusst Humulen die Wirkung von Cannabis?

Indirekt. Als Terpen beeinflusst es vor allem Aroma und Geschmack, nicht aber die psychoaktive Wirkung von THC.


  1. Sigma-Aldrich (Merck). α-Humulene – Product Information & Safety Data. ↩︎
  2. Chandra, S. et al. (2017). Cannabis sativa L. – Botany and Biotechnology.
    Springer International Publishing. ↩︎
  3. Sigma-Aldrich (Merck). α-Humulene – Product Information & Safety Data. ↩︎
  4. Ferraz da Costa, D. et al. (2017), Anti-inflammatory and anticancer activities of α-humulene, Frontiers in Pharmacology, 8, 1–10. ↩︎
  5. Russo, E. B. (2011), Taming THC: potential cannabis synergy and phytocannabinoid-terpenoid entourage effects, British Journal of Pharmacology, 163(7), 1344–1364. ↩︎
  6. ElSohly, M. A. et al. (2017), Methods for the analysis of cannabinoids and terpenes in Cannabis, Journal of Natural Products, 80(7), 2017–2025. ↩︎
  7. Chandra et al., 2017, Cannabis sativa L. – Botany and Biotechnology. ↩︎