Cannabis bei Endometriose – THC und CBD als neue Therapieoption

Cannabis bei Endometriose
Inhaltsverzeichnis

Medizinisches Cannabis bei Endometriose rückt zunehmend in den Fokus der Medizin. Endometriose ist eine chronische Erkrankung, von der schätzungsweise jede zehnte Frau in Deutschland betroffen ist. Typische Symptome sind starke Regelschmerzen, chronische Unterbauchschmerzen, Müdigkeit und Einschränkungen im Alltag. Da viele Frauen trotz konventioneller Behandlung weiterhin leiden, wächst das Interesse an medizinischem Cannabis als mögliche Therapieoption. Insbesondere die Cannabinoide THC und CBD können helfen, Schmerzen zu lindern, Entzündungen zu beeinflussen und die Lebensqualität zu verbessern.

Endocannabinoid-System und Endometriose

Der menschliche Körper verfügt über ein komplexes Endocannabinoid-System (ECS), das an der Regulation von Schmerz, Stimmung, Schlaf und Immunprozessen beteiligt ist. Zum Teil noch laufende Studien zeigen, dass bei Frauen mit Endometriose Veränderungen im ECS vorliegen können. So finden sich Cannabinoid-Rezeptoren nicht nur im Gehirn, sondern auch im Körpergewebe der Gebärmutter und in Endometrioseherden.

Endcannabinoidsystem

Diese Erkenntnisse legen nahe, dass Cannabinoide über das ECS Schmerzen modulieren und Entzündungen hemmen können. THC bindet dabei stark an CB1-Rezeptoren und beeinflusst die Schmerzwahrnehmung, während CBD vielfältig wirkt – unter anderem entzündungshemmend, angstlösend und stabilisierend für das Nervensystem.

Studienlage und Evidenz

Die bisherige Evidenz zu Cannabis bei Endometriose ist noch begrenzt, doch erste Zwischenergebnisse sind vielversprechend.

Klinische Pilotstudie an der Charité Berlin

Eine laufende Studie (Stand 10/2025) mit 22 Patientinnen untersucht die Einnahme eines standardisierten und ausbalancierten Vollspektrum-Cannabis-Extrakts in der Kombination 12 mg THC und 14 mg CBD pro ml über drei Monate. Die Frauen litten trotz vorheriger Behandlung weiterhin an chronischen Schmerzen.1

Zwischenergebnisse im Überblick

  • Schmerzen nahmen signifikant ab (sowohl Schmerzintensität als auch Schmerztage pro Monat).
  • Der Bedarf an Schmerzmitteln ging spürbar zurück.
  • Symptome wie Fatigue, Angst und zentrale Sensitivierung verbesserten sich deutlich.
  • Die Lebensqualität stieg in allen gemessenen Bereichen, darunter Schmerzempfinden, emotionales Wohlbefinden, soziale Unterstützung und Sexualität.
  • Nebenwirkungen waren selten und mild, viele Patientinnen berichteten von guter Verträglichkeit.

Beobachtungsdaten und Befragungen

Neben klinischen Daten liefern auch Umfragen wertvolle Einblicke. Viele betroffene Frauen berichten, dass sie Cannabis bereits nutzen, um Symptome zu lindern. Häufige Effekte sind:

  • Weniger Schmerzen während und außerhalb der Menstruation.
  • Verbesserter Schlaf.
  • Weniger Übelkeit.
  • Weniger Einnahme von herkömmlichen Schmerzmitteln.
  • Gesteigertes Wohlbefinden im Alltag.

Diese Erfahrungen unterstreichen, dass Cannabis für Frauen mit Endometriose eine wertvolle Unterstützung sein kann.

Wirkmechanismen von THC und CBD

Die positiven Effekte von Cannabis beruhen auf verschiedenen Mechanismen:

  • Schmerzhemmung über CB1-Rezeptoren im Nervensystem.
  • Entzündungshemmung durch CB2-Rezeptoren in Immunzellen.
  • Muskelentspannung, die krampfhafte Schmerzen lindern kann.
  • Stimmungsstabilisierung und Abbau von Angstgefühlen.
  • Regulierung des Schlafs, was Erholung und Heilungsprozesse unterstützt.

Diese multimodale Wirkung unterscheidet medizinisches Cannabis von vielen klassischen Schmerzmitteln, die oft nur ein Symptom adressieren.

Praktischer Einsatz in Deutschland

Mit der neuen S2k-Leitlinie zur Endometriose wird Cannabis in Deutschland als mögliche Behandlung bei chronischen Verläufen anerkannt. Frauen ab 25 Jahren, die trotz konventioneller Therapie weiter an Schmerzen leiden, können einen individuellen Therapieversuch mit Medizinalcannabis erhalten.

Die Behandlung erfolgt meist mit oral einzunehmenden Extrakten, die jeweils einen festen, ausbalancierten Gehalt an THC und CBD enthalten. So lässt sich die Dosis zuverlässig einstellen. In Deutschland verordnen speziell geschulte Ärztinnen und Ärzte diese Präparate, die nach Genehmigung durch die Krankenkassen in vielen Fällen erstattungsfähig sind. Dennoch berichten Betroffene, dass die Antragsverfahren teilweise aufwendig sein können.

Chancen und Risiken von Cannabis bei Endometriose

ChancenRisiken
Linderung von chronischen Schmerzen bei Endometriose.Mögliche Nebenwirkungen wie Müdigkeit, Schwindel, Mundtrockenheit.
Verbesserung der Lebensqualität durch Reduktion von Symptomen.Psychische Effekte bei hohen THC-Dosen.
Reduktion herkömmlicher Schmerzmittel.Gefahr von Toleranzentwicklung oder Abhängigkeit.
Positive Wirkung auf Schlaf, Angstzustände und Stimmung.Begrenzte Datenlage zur Langzeitwirkung.
Entzündungshemmende und krampflösende Eigenschaften durch Cannabinoide.Aufwendige Antragsverfahren und unsichere Kostenübernahme in Deutschland.

Hinweis: Selbstzahlerinnen haben eine zusätzliche Option, die mit weniger Aufwand verbunden ist. Dieser Artikel beschreibt, auf welchen zwei Wegen ein Cannabisrezept bezogen werden kann.

Offene Fragen und Forschungsperspektive

Auch wenn die aktuellen Ergebnisse positiv sind, fehlen noch Langzeitstudien und direkte Vergleiche zu anderen Therapien. Unklar ist beispielsweise, welche Untergruppen von Frauen besonders profitieren oder wie Cannabis langfristig wirkt, wenn es mit Hormontherapie oder Operationen kombiniert wird.

Forschungsbedarf besteht auch beim optimalen Verhältnis von THC und CBD sowie beim Einsatz weiterer Cannabinoide. Zudem ist die Frage wichtig, wie sich Medizinalcannabis in die Versorgungspraxis in Deutschland integrieren lässt, damit Frauen einen leichteren Zugang zur Behandlung erhalten.

Fazit

Medizinisches Cannabis ist für viele Frauen mit Endometriose eine vielversprechende Ergänzung zur Behandlung chronischer Schmerzen. Eine laufende Studie wie die Pilotuntersuchung der Charité Berlin zeigen deutliche Verbesserungen bei Schmerzen, Fatigue, Angst und Lebensqualität – ohne schwerwiegende Nebenwirkungen. Erfahrungen aus der Praxis bestätigen diese Ergebnisse.

Mit der neuen Leitlinie in Deutschland ist medizinisches Cannabis rechtlich abgesichert und kann als individueller Therapieversuch eingesetzt werden. Für betroffene Frauen eröffnet sich damit eine neue Möglichkeit, ihre Symptome zu lindern und ein Stück Lebensqualität zurückzugewinnen.

FAQ zu Cannabis bei Endometriose

Welche Wirkung hat Cannabis bei Endometriose auf den Körper?

Cannabis entfaltet im Körper eine komplexe Wirkung über das Endocannabinoid-System. Bei Endometriose können Cannabinoide wie THC und CBD chronische Schmerzen lindern, Entzündungen hemmen und das allgemeine Wohlbefinden verbessern. Viele Patientinnen berichten zudem, dass medizinisches Cannabis ihre Symptome deutlich reduziert und damit die Lebensqualität erhöht.

Ist medizinisches Cannabis eine erfolgsversprechende Therapie bei Endometriose?

Medizinisches Cannabis wird bei Endometriose häufig als ergänzende Therapie eingesetzt, wenn klassische Maßnahmen nicht ausreichen und chronische Schmerzen anhalten. Die bisherige Studie der Charité zeigt, dass die Behandlung mit Cannabinoiden in den meisten Fällen gut verträglich ist. Zwar sind Nebenwirkungen möglich, doch die Wirkung über das körpereigene Endocannabinoid-System macht Cannabis bei Endometriose zu einer vielversprechenden medizinischen Option.

Welche Cannabinoide kommen bei der Behandlung von Endometriose zum Einsatz?

Bei der medizinischen Therapie stehen vor allem die Cannabinoide THC und CBD in einer guten Balance im Vordergrund. Diese Substanzen werden in standardisierten Extrakten eingesetzt und entfalten ihre Wirkung direkt im Körper. THC wirkt stärker schmerzhemmend, während CBD entzündungshemmend und angstlösend ist. Häufig wird eine Kombination beider Cannabinoide genutzt, um chronische Beschwerden bei Endometriose effektiv zu behandeln.

Wie unterscheidet sich die Wirkung von medizinischem Cannabis von herkömmlichen Therapien bei Endometriose?

Im Gegensatz zu klassischen Schmerzmitteln wirken Cannabinoide über das Endocannabinoid-System des Körpers. Diese besondere Wirkweise ermöglicht es, nicht nur Schmerzen, sondern auch weitere Symptome wie Fatigue oder Stimmungsschwankungen zu beeinflussen. Daher wird medizinisches Cannabis bei Endometriose häufig als ergänzende Therapie eingesetzt, insbesondere wenn chronische Beschwerden trotz anderer Maßnahmen bestehen bleiben.


  1. Charité Poster (Kratz et al., 2024) – interne Quelle, Verlinkung sobald veröffentlicht ↩︎